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#Buchrezension: Keine Regeln


janwo - 29. April 2022 - 1 comment

Warum Freiheit und Verantwortung heute oft wichtiger sind als Regeln und Prozesse

Wenn wir eins in unserer Ausbildung oder dem Studium gelernt haben, dann ist es unsere Arbeit und Führung nach klaren Regeln und Prozessen auszurichten. Schließlich geben eindeutige Vorgaben Sicherheit und verringern die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler passieren. Warum dieser Approach allerdings nichts damit zu tun hat, Raum für Kreativität und Innovation zu schaffen, erfahren wir im Buch „Keine Regeln“ von Reed Hastings und Erin Meyer.

Wenn du ein Schiff bauen willst,
dann trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen,
Aufgaben zu vergeben
und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Ich war neugierig zu erfahren, was Netflix behauptet anders, als andere Unternehmen zu machen. Schließlich behaupten die auch von sich, erfolgreich und innovativ zu sein. Wie ich im Buch erfahren habe, gibt es doch einen großen Unterschied zwischen der Unternehmenskultur von Netflix und (ich würde behaupten) dem Großteil aller anderen Unternehmen.

Was die Unternehmenskultur letztendlich mit Jazz zu tun hat, warum der berühmte Kreisverkehr in Paris (l’Etoile) ein Sinnbild dafür ist und warum ich „Keine Regeln“ für ein grandioses Buch halte, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Buchdetails

TitelKeine Regeln
UntertitelWarum Netflix so erfolgreich ist
ISBN3430210232
VerlagEcon
Veröffentlichung14.09.2020
Umfang400 Seiten
SpracheDeutsch
ShoplinkLink

Welches Thema und Problem adressiert das Buch „Keine Regeln“?

Netflix steht nicht nur für ein tolles, modernes und zeitgemäßes Film- und Serienangebot. Es steht sinnbildlich auch für Innovationskraft, Flexibilität, Geschwindigkeit und unternehmerischen Mut. In „Keine Regeln“ geht es um das notwendige Unternehmenssetup, damit genau das möglich wird. Es geht darum, welche essenziellen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit ein Unternehmen in der Lage ist, flexibel, schnell und innovativ agieren kann.

Netflix ist keine Familie, sondern ein Team.

In „Keine Regeln“ erfahren wir, was es bedeutet, wenn Reed Hastings davon spricht, dass zu aller erst die Talentdichte erhöht werden muss. In Teil II erfahren wir, wie wichtig Offenheit und Transparenz sind und wie unnötige Kontrollmechanismen beseitigt werden können. Teil III behandelt konkreter das Thema Führung – vor allem durch Kontext, nicht Kontrolle. Im letzten Kapitel IV lernen wir dann den Weg von Netflix kennen, wie es seine geschaffene Kultur globalisiert und dabei auf extreme Überraschungen stößt.

Das Buch ist klar strukturiert, verfolgt einen roten Faden und lässt sich sehr angenehm lesen. Die Kombination aus Erklärung und Unternehmensbeispiel (immer farblich hervorgehoben) hat es mir sehr leicht gemacht, dem Erzählungsfaden zu folgen.

Das Problem, welches Netflix zu lösen versucht und um das es seine ganze Unternehmenskultur aufgebaut hat, ist klar: Wie bekomme und halte ich die besten Mitarbeiter, damit sie möglichst selbstständig und schnell, kreative und innovative Produkte schaffen können? Ein Kernproblem, um das sich jedes Unternehmen Gedanken machen sollte. Mit welcher Konsequenz Netflix das Ganze angeht, hat mich dann doch überrascht.

Für wen ist das Buch „Keine Regeln“ geeignet?

Zielgruppe sind Unternehmensführer und Personen, die sich mit den Grundsätzen der Unternehmensstrategie und -kultur auseinandersetzen. Jeder, der erfolgreiche große (internationale) Teams aufbauen und führen möchte, findet in „Keine Regeln“ spannende, neue Gedankenanstöße.

Darüber hinaus kann das Buch auch für all die interessant sein, die sich ganz allgemein für Netflix interessieren. Es könnte allerdings sein, dass dann das Buch zuweilen etwas langatmig wird und der Eindruck von repetitiven Inhalten aufkommt.

Meine persönliche Meinung

Ich will unbedingt die Netflix-Kultur kennenlernen! Das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte. Zugegeben: An der ein oder anderen Stelle hat mich die Konsequenz, mit der Netflix seine Kultur umsetzte, überrascht. So reden sie nicht davon eine Familie zu sein, denn in einer Familie muss man auch mit unangenehmen Familienmitglieder zurechtkommen. Netflix vergleicht sich lieber mit einem Team, einer Sportmannschaft. Denn dort kann man, auch wenn man top ist, ersetzt werden, damit das Team insgesamt noch besser wird.

Ich habe einige, auf den ersten Blick vielleicht harsche, aber dennoch interessante Methoden mitnehmen können: so zum Beispiel den sog. Keeper-Test, bei dem ich mich mit meinem Vorgesetzten bewusst in eine Situation begebe, meine Leistung dahingehend zu beurteilen, ob sie für das Unternehmen noch ausreichend ist oder eben nicht. Auch der Punkt Führung durch Kontext, nicht Kontrolle hat mir sehr gut gefallen. Hierzu wurde der Vergleich von einer hierarchischen Pyramide zu einem Baum mit Wurzeln herangezogen – wirklich inspirierend und gut gemacht.

Das ehrliche Geständnis am Ende des Buches hat einen wirklich guten Schluss für das Buch ergeben: Reed und Meyer beschreiben sehr eindrucksvoll, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, als sie ihre (amerikanische) Kultur auf andere Länder der Erde ausrollen wollten. Die Methoder der Culture-Maps war für mich ebenfalls neu, weshalb ich wieder etwas lernen konnte.

Insgesamt hat mir der Einblick in die, zuweilen harte, Kultur bei Netflix sehr viel Spaß gemacht. Ein packendes Unternehmensportrait auf die Menschen bei Netflix!

Kleiner Tipp:

Ich empfehle euch die Methoder erwähnten Culture Map, wenn ihr euch mehr mit dem Thema Unternehmenskultur in interdisziplinären Teams beschäftigen wollt. Schaut außerdem einmal in das Netflix Culture Deck – eine gute Zusammenfassung über die wichtigsten Kulturleitlinien.

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1 comment

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